SPIELZEIT 21/22

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Es erwartet uns ein Ringtheater-Abend. Die Handlung ist einfach:
Eine Familie lebt glücklich zusammen und muss sich nie voneinander trennen.

Es tritt ein Kind auf. Es will irgendwas, aber bekommt es nicht. Immer wieder fängt es an, immer wieder bricht es ab. Resultat: Lauter erste Sätze.
Sie sagt: Das Stück war extrem krass.
Sie sagt: Ich bin leider eine hoffnungsvolle Person.
Sie sagt: Erinnerungen sind keine Entscheidung.

Das Kind erinnert sich an ein Theater von früher, zum Angucken und Reinbeißen. Es erinnert sich an ein Berlin, dass nach City Chicken roch.

Ich bin richtig sauer.
Sagt das Kind.
Dass das Ringtheater, dass die Zukunft vom Verkauf bedroht ist.
Es sagt: In zehn Jahren gibt es in Berlin noch ein besetztes Haus und es gibt ein Museum von einem besetzten Haus. Graffiti hinter Plexiglas.
Aber noch sind wir da.
Sagt das Kind und schaut auffordernd in die Menge.

Wir wissen zu was wir aufgefordert werden. Wie so oft.
Sollen wir in einem Pulk tanzen und Angels singen? Oder ein weiteres Plenum mit Cola ohne Zucker, Bier ohne Alkohol? Sollen wir das ganze Theater zusammenfalten, als wäre es ein Din A4 Papier? Es wieder aufklappen, wie ein dreidimensionales Bilderbuch? Sollen wir es schwimmen schicken?

Das Kind geht ab. 1000 Liter Kunstblut rollen auf die Zuschauer*innen zu und brechen sich an einer Plexiglaswand.

Wir sehen uns an, sind berührt und werden noch lange daran zurückdenken.

Wir werden daran denken in einem Ring in drei Jahren, vielleicht etwas kommerzieller, mit Blumensträußen an der Kasse, und Sektpausen.
Wir denken daran, wenn wir in alte Strukturen fallen, an unseren Idealen scheitern und uns da wieder rausarbeiten.
Wir denken daran, auf einem Boot, am Rand der Stadt, auf einem Papier.
Aber vor allem denken wir:
Wir sind noch da.
Wir sind da. Wir erinnern uns in die Zukunft. Wir denken an unser Theater und fragen:
Was ist eine Utopie?

Wir leben zusammen und müssen uns nie trennen.

Ein Text von: Dandan Liu, Mariann Yar, Simone Bäuchle, Tim Jakob, Thalia Hertel, Johannes Bellermann und Lars Werner – für das Ringtheater-Kollektiv