Programm

Free entry! No cover! Open to all!
START 21:00 H

On the night of April 30th, Hexenfeuer burn across Germanic and Nordic lands. Traditionally lit to mark the arrival of spring and ward off witches and evil spirits, these bonfires become gathering points for the outcasts, the healers and the unruly, places to share what could not be said in daylight, to pass on forbidden knowledge and to build community at the margins of society. This Walpurgisnacht, that fire burns again, ignited by the collective Wide Open! Berlin’s creatures of the night crawl out of the darkrooms and dance floors to take center stage at Berliner Ringtheater as part of Neue Zukunft’s Hausfest, with the audience invited to circle, dance and celebrate around a 360° raised platform. Wide Open calls on six queer underground artists to fuel a Hexenfeuer with their most ritualistic performances of DIY spellcasting.

Feeding the fire:

Majdolen is a Syrian-born composer, producer, and sound artist, exploring how sound not only shapes narratives, perception, and emotional space, but also transforms them. Her sound installation is the thread that runs throughout the entire evening, channeling a mystical live sonic universe that binds each performance together and transforms the theatre into a dancefloor. Majdolen combines tactile synthesis, field recordings, tonal drift, and spatial experimentation with structured composition, algorithmic processes, and hybrid acoustic-electronic methods.

Hassandra, drag artist, performer, and co-founder of ADIRA, takes over the bonfire to explore water’s healing virtues through a live ceremony reflecting on the Mediterranean Sea, drop by drop. Her ritual evokes water’s dual nature: life-sustaining and fearsome. It is a purifying force, as in the sacred Zamzam water, and a vessel of loss, marked by the blood of shipwrecked refugee boats.

Jiannyuh Wang commands the bonfire with a slow, hypnotic fusion of traditional Chinese calligraphy and contemporary choreography. Armed with a giant brush, red ink and an oversized roll of paper, they merge the act of writing with ecstatic movement, flowing to the pulse of the music. Calligraphy, already a dance of the hand, expands into a full-body and visceral ritual. The ink runs. The paper tears. In this ritual, every word is a spell, flowing past the page and transforming the space itself.

Iacopo Loliva, contemporary dancer and choreographer, enters the fire with a performance inspired by tarantism, a South Italian ritual often associated with bodies deemed excessive, queer or unruly. In the original rite, outcasts were allowed to dance and let loose only when pretending to be bitten by a spider, entering a trance in which everything was permitted. Only through this total trance could they be restored from their “madness’’. Here, that logic remains, but without the need for a cure: sanity and insanity coexist.

Erratum (Blair Transdorf and Sascha the Fool) unleash a séance where the abject tips into the grotesque, leaving the audience with one deeply unsettling question: why the hell am I attracted to this? Moving through the crowd with a bucket of viscous substance, the duo launches into a paradoxical cleansing ritual that blurs the line between purification and contamination, desire and disgust. Bodies slip, fall and oscillate between the sacred and the absurd.

***

Eintritt frei! Gratis! Offen für alle!
Beginn: 21:00 Uhr

In der Nacht des 30. April brennen in germanischen und nordischen Regionen die Hexenfeuer. Traditionell werden diese Feuer entzündet, um den Frühling zu begrüßen und Hexen sowie böse Geister fernzuhalten. Zugleich werden sie zu Treffpunkten für Ausgestoßene, Heiler*innen und Ungezähmte: Orte, an denen geteilt werden kann, was bei Tageslicht unaussprechlich bleibt, an denen verbotenes Wissen weitergegeben wird und Gemeinschaft an den Rändern der Gesellschaft entsteht.

In dieser Walpurgisnacht brennt dieses Feuer erneut – entfacht vom Wide Open Kollektiv! Berlins Kreaturen der Nacht kriechen aus Darkrooms und von Dancefloors hervor und rücken im Berliner Ringtheater ins Zentrum der Bühne. Als Teil des Hausfests von Neue Zukunft ist das Publikum eingeladen, sich um eine erhöhte 360-Grad-Plattform zu versammeln, sie zu umkreisen, zu tanzen und zu feiern. Wide Open versammelt sechs queere Underground-Künstler*innen, die das Hexenfeuer mit ihren rituellen Performances nähren.

Das Feuer wird angefacht von:

Majdolen ist eine in Syrien geborene Komponistin, Produzentin und Soundkünstlerin. In ihrer Arbeit erforscht sie, wie Klang Erzählungen, Wahrnehmung und emotionale Räume nicht nur formt, sondern auch verwandelt. Ihre Soundinstallation bildet den roten Faden des gesamten Abends: Sie erschafft ein mystisches Live-Klanguniversum, das die einzelnen Performances miteinander verbindet und das Theater in eine Tanzfläche verwandelt. Majdolen verbindet taktile Synthese, Field Recordings, tonales Driften und räumliche Experimente mit strukturierter Komposition, algorithmischen Prozessen sowie hybriden akustisch-elektronischen Methoden.

Hassandra, Drag-Künstler*in, Performer*in und Mitbegründer*in von ADIRA, übernimmt das Feuer, um in einer Live-Zeremonie die heilenden Kräfte des Wassers zu erforschen – Tropfen für Tropfen, in einer Reflexion über das Mittelmeer. Ihr Ritual beschwört die doppelte Natur des Wassers herauf: lebensspendend und furchteinflößend zugleich. Wasser erscheint als reinigende Kraft, wie im heiligen Zamzam-Wasser, aber auch als Gefäß des Verlusts, gezeichnet vom Blut gesunkener Boote geflüchteter Menschen.

Jiannyuh Wang beherrscht das Feuer mit einer langsamen, hypnotischen Verschmelzung traditioneller chinesischer Kalligrafie und zeitgenössischer Choreografie. Ausgestattet mit einem riesigen Pinsel, roter Tinte und einer übergroßen Papierrolle verbindet Wang den Akt des Schreibens mit ekstatischer Bewegung, getragen vom Puls der Musik. Kalligrafie, an sich bereits ein Tanz der Hand, weitet sich zu einem körperlichen, viszeralen Ritual aus. Die Tinte verläuft. Das Papier reißt. In diesem Ritual ist jedes Wort ein Zauberspruch, der über die Seite hinausfließt und den Raum selbst verwandelt.

Iacopo Loliva, zeitgenössische*r Tänzer*in und Choreograf*in, tritt mit einer Performance ins Feuer, die vom Tarantismus inspiriert ist – einem süditalienischen Ritual, das häufig mit Körpern verbunden wird, die als übermäßig, queer oder unkontrollierbar galten. Im ursprünglichen Ritus durften Ausgestoßene nur dann tanzen und sich gehen lassen, wenn sie vorgaben, von einer Spinne gebissen worden zu sein. So traten sie in eine Trance ein, in der alles erlaubt war. Erst durch diese vollständige Trance konnten sie von ihrem „Wahnsinn“ geheilt werden. Hier bleibt diese Logik bestehen – jedoch ohne den Anspruch auf Heilung: Vernunft und Wahnsinn existieren nebeneinander.

Erratum, bestehend aus Blair Transdorf und Sascha the Fool, entfesselt eine Séance, in der das Abjekte ins Groteske kippt und das Publikum mit einer zutiefst verstörenden Frage zurückbleibt: Warum zur Hölle zieht mich das an? Mit einem Eimer zähflüssiger Substanz bewegt sich das Duo durch die Menge und beginnt ein paradoxes Reinigungsritual, das die Grenze zwischen Reinigung und Verunreinigung, Begehren und Ekel verschwimmen lässt. Körper rutschen aus, fallen und schwanken zwischen dem Heiligen und dem Absurden.

  • Weitere Termine

    Do.. 30.04.2026 21:00 Tickets
  • Language / Sprache

    Non-verbal, image-based performance / Nonverbale, bildhafte Performance 

  • Category / Kategorie

    Concert, Performance, Theater, Dance, Show

  • Förderung

    Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

  • Content Note / Inhaltshinweis

    nudity, obscene and provocative imagery / Nacktheit, obszöne und provokante Darstellungen

  • Image Description / Bildbeschreibung

    Two blue hands against a black background, with blue liquid dripping in long streams between them. The lower hand has long pink fingernails.

    Zwei blaue Hände vor schwarzem Hintergrund, zwischen denen blaue Flüssigkeit in langen Tropfen herabfließt. Die untere Hand hat lange rosa Fingernägel.

  • Credits

  • Concept & Curation / Konzept & Kuration

    Hadrien Daigneault-Roy, Sascha Cowan & Wren Galbraith (Wide Open Berlin)
  • Performance

    Hassandra, Jiannyuh Wang, Iacopo Loliva, Erratum
  • Sound Installation

    Majdolen
  • Light Design / Licht Design

    Sol Sebastian
  • Graphic Design

    Maison c.c.
  • Artistic direction / Künstlerische Leitung

    Wide Open Berlin
  • Production / Produktion

    Wide Open Berlin
  • Dramaturgy / Dramaturgie

    Sophie Lembcke

Galerie